Vom Traum zum Traumjob - Wie Du Stellenanzeigen lesen solltest

In meinen Coachings erlebe ich sie fast täglich: Die Unsicherheit gegenüber Stellenanzeigen. Gerade Berufseinsteiger fühlen sich vollkommen überfordert von der Anzahl an Anforderungen und auch Frauen lassen sich gerne von der – hauptsächlich maskulinen – Wortwahl der Anzeigen eher abschrecken.  „Da habe ich eh keine Chance!“ ist die häufige Schlussfolgerung. Was bleibt sind Verunsicherung und Minderwertigkeitsgefühl.

 

Damit muss Schluss sein, denn es gibt eine einfache Strategie, die Stellenanzeigen herauszufiltern, die auch wirklich zu Dir passen.  

 

Stellenanzeigen verstehen

Grundsätzlich haben alle Stelleanzeigen den gleichen Aufbau. Auf eine Unternehmensvorstellung folgen das Bewerberprofil  sowie dessen zukünftige Aufgaben, Ziele und Anforderungen. Der letzte Part besteht in der Information, an wen man sich bei Fragen wenden und wie man sich bewerben kann (ob per Mail, mit Gehaltsvorstellung und Eintrittsdatum oder ohne).

 

Mach‘ Dir beim Lesen bewusst, dass  das Profil aus Muss- und Kann-Anforderungen zusammengestellt ist. Dabei ist schon die Reihenfolge ein wichtiger Indikator. Je weiter oben, desto wichtiger die Anforderung. Muss-Qualifikationen sind z.B. eine bestimmte Ausbildung, Berufserfahrung oder spezielle Kenntnisse.  Du erkennst sie auch an bestimmten Formulierungen.

 

Formulierungs-Merkmale für Muss-Anforderungen sind:

  • erwarten wir
  • nachweisliche Erfolge in
  • sind erforderlich
  • setzen wir voraus / Voraussetzungen sind
  • Sie bringen mit 

Kann-Anforderungen hingegen erkennst Du an:

  • erwünscht sind / wünschenswert ist
  • idealerweise
  • ausbaufähige Kenntnisse
  • wenn Sie außerdem / zudem….mitbringen
  • hinreichende Erfahrung in
  • hilfreich wäre wenn
  • von Vorteil wäre, wenn / zusätzlich ist von Vorteil
  • freuen wir uns, wenn Sie … mitbringen

      Denke immer daran, dass das Profil einer Idealvorstellung des Unternehmens entspricht. Es geht zudem auch um die Selbstdarstellung der Firma. Wenn sie nicht höchste Ansprüche stellt, wie gut oder schlecht ist dann erst ihr Produkt oder ihre Leistung? Außerdem will sich das Unternehmen durch die qualitativ hohen Anforderungen vom Wettbewerb abheben. Es stellt daher Maximalanforderungen.

 

Nun weißt Du, wie Du Stellenanzeigen dekodierst. Zu einer erfolgreichen Bewerbung gehört aber noch viel mehr:

 

Kenne Dich selbst und mache Dir klar, was Du willst

In einem ersten Schritt musst Du Dir bewusst machen, wer Du eigentlich bist, was Du willst und was Du kannst. Dadurch kannst Du die zu Dir passenden Stellenanzeigen viel besser erkennen. Magst Du z.B. die Atmosphäre in einer inhabergeführten Agentur oder bevorzugst Du die strukturierten Hierarchien eines Großkonzerns?

Mach Dir einmal den Spaß und lege verschiedene Anzeigen zu ein und der selben Positionsausschreibung nebeneinander und vergleiche sie. Dir werden in gewissen Teilen deutliche Unterschiede auffallen. Bei dem einen Unternehmen liegt der Fokus beispielsweise mehr auf Marktanalysen und Strategieentwicklung während die andere Firma mehr Wert legt auf Mitarbeiterentwicklung und –führung. Geht es dem einen mehr um Marktaufbau, will der andere eine interne Neuorganisation, usw.  Wenn Du Deine Stärken und Vorlieben kennst, weißt Du auch, welche Unternehmen besser für Dich in Frage kommen.

 

Eine Sache des Blickwinkels und des Selbstvertrauens

Hast Du Dich schon einmal gefragt, wie Du Stelleanzeigen liest? Die Richtung ist entscheidend. Suchst Du nach Übereinstimmungen mit Deinem Lebenslauf und deiner Persönlichkeit oder legst Du den Schwerpunkt auf die Differenzen zwischen dem Anforderungsprofil und Dir? Lege Deinen Fokus unbedingt auf die Übereinstimmungen.

 

Die meisten Männer machen das übrigens schon automatisch. Sie sehen, dass 50 % passen und gehen davon aus, dass sie die ideale Besetzung sind. Diese selbstbewusste Haltung und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten sind im Bewerbungsprozess auch genau richtig. Frauen sind hier leider noch durch Erziehung, dem Druck, verschiedenen Rollenbildern zu entsprechen und überall nach Perfektion streben zu müssen, deutlich schüchterner und zurückhaltender.  Auch, wenn man es nicht übertreiben sollte, aber Bescheidenheit ist beim Bewerben fehl am Platz. Sei stolz, auf was Du bisher erreicht hast – es ist meist so viel mehr als Dir bewusst ist. Und auch das wird Dein neuer Arbeitgeber zu schätzen wissen.  Deshalb: Trau Dich! Wenn nur 50 bis 60 % der Anforderungen übereinstimmen, bewirb Dich. Wichtig ist, dass Du die Haupt-Muss-Anforderungen erfüllst.

 

Mein Tipp:

Wenn beispielsweise ein Studium eine Muss-Anforderung ist, Du aber ansonsten viele Übereinstimmungen und v.a. die Erfahrung hast, solltest Du bei einem Anruf klären und fragen, ob Du Dich bewerben kannst.

 

Was also ist die eingangs genannte Strategie? Sei Dir Deiner Selbst bewusst, differenziere die Anforderungen und suche nach den Übereinstimmungen, nicht nach dem, was Du nicht erfüllst. Und schließlich: Bewirb‘ Dich! Nur so kann aus Deinem Traum Dein Traumjob werden.

 

Auf jeden Topf passt nur der eine Deckel

Zuletzt möchte ich Dir noch sagen, dass Du eine Absage nicht persönlich nehmen und Dich nicht entmutigen lassen darfst. Sind Deine Bewerbungsunterlagen nachweislich gut und hast Du sie ggf. checken lassen, kannst Du Dir an dieser Stelle nichts vorwerfen. Bist Du zum Gespräch eingeladen worden und laut Unternehmen trotzdem nicht der passende Kandidat, nimm Dir das nicht zu Herzen.

Denke immer daran: Für jedes Unternehmen gibt es nur den einen richtigen Kandidaten. Da können minimale Nuancen einen Unterschied machen. Oftmals gibt es Aufgabenschwerpunkte, die in der Anzeige so klar gar nicht definiert wurden. Auch Personaler sind nur Menschen und nicht allwissend – häufig hat die entsprechende Abteilung den tatsächlichen Themenschwerpunkt auch nicht deutlich kommuniziert, da für sie selbstverständlich. Nimm also eine Absage nicht persönlich und denke daran, dass Du mit Deinen Erfahrungen, Stärken und Vorlieben eine einzigartige Mischung bist! Ein anderes Unternehmen wird genau nach dieser, DEINER, Mixtur suchen.

 

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Was sind Deine Erfahrungen mit Stellenanzeigen und worauf legst du Wert, wenn Du nach einer neuen Stelle suchst? Ich freue mich auf Deine Erlebnisse und Ansichten zu diesem Thema unten als Kommentar.

 

Deine Bewerbungsprofis by Eva Cogum

Ich arbeite als Bewerbungs- und Karrierecoach und helfe Dir, Deinen Traumjob zu finden und zu erreichen. Dabei arbeite ich mit Dir an der Bewerbungsstrategie, schreibe bzw. optimiere Deine Unterlagen und mache Dich fit fürs Vorstellungsgespräch.

Berufsanfänger, Quer- oder Wiedereinsteiger unterstütze ich, ihren Weg zu finden und zu realisieren.

 

 

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